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Agentic Commerce Protocol (ACP)

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Agentic Commerce Protocol (ACP) ist ein offener Standard, mit dem KI-Agenten wie ChatGPT Produkte eines Händlers finden, in den Warenkorb legen und im Namen des Nutzers bezahlen können. Entwickelt haben ihn OpenAI und Stripe, vorgestellt wurde er am 29. September 2025 zusammen mit der Funktion „Instant Checkout“ in ChatGPT. Die Spezifikation steht unter der Apache-2.0-Lizenz und ist auf agenticcommerce.dev veröffentlicht.

Der Kern des Protokolls ist eine klare Rollenverteilung: Der Agent führt das Gespräch mit dem Käufer, der Händler bleibt Verkäufer, Vertragspartner und Merchant of Record. Der Zahlungsdienstleister übergibt ein delegiertes Zahlungsmittel, ohne dass Kartendaten beim Agenten landen. Dieser Eintrag erklärt die drei Teilspezifikationen, zeigt, wie sich das Protokoll seit dem Start entwickelt hat, und ordnet es gegenüber dem Konkurrenzstandard UCP ein. Er gehört zum Themenfeld Agentic Commerce.

Warum es ein Protokoll für Agenten-Shopping braucht

Ein Sprachmodell kann heute Produkte empfehlen, aber es kann nicht ohne Weiteres einen Kauf abschließen. Dazu müsste es wissen, welche Varianten ein Händler führt, ob sie lieferbar sind, wie Versand und Steuern berechnet werden und wie bezahlt wird. Jeder Shop löst das anders. Ohne gemeinsame Sprache müsste der Agent für jeden Händler eine eigene Anbindung lernen, und der Händler müsste jedem Agenten vertrauen, der Bestellungen auslöst.

ACP beantwortet beide Probleme mit einem festen Vertrag zwischen den Parteien. Der Händler beschreibt sein Sortiment in einem Produktfeed, stellt eine kleine REST-API für Checkout-Sitzungen bereit und nimmt Zahlungen über ein delegiertes Token entgegen. Der Agent kennt dieses Schema und kann damit bei jedem angebundenen Händler gleich arbeiten. Das Modell ist bewusst schlank gehalten, damit bestehende Shopsysteme es ohne Umbau des Checkouts umsetzen können.

Die beteiligten Rollen

  • Käufer: Der Nutzer, der im Chat beschreibt, was er sucht, und den Kauf bestätigt.
  • Agent: Die KI-Anwendung, etwa ChatGPT, die Produkte zeigt, eine Checkout-Sitzung beim Händler eröffnet und die Zahlung anstößt.
  • Händler: Der Shop, der Feed und Checkout-Endpunkte bereitstellt, die Bestellung ausführt und als Merchant of Record die Verantwortung für Vertrag, Versand und Retouren trägt.
  • Zahlungsdienstleister: Der Payment Service Provider, der das Zahlungsmittel des Käufers hält und dem Händler ein einmalig verwendbares Token übergibt.

Die drei Teilspezifikationen von ACP

ACP ist kein monolithischer Standard, sondern ein Bündel aus drei Spezifikationen, die unabhängig voneinander gelesen und umgesetzt werden können. Die erste beschreibt Daten, die zweite Abläufe, die dritte Zahlungen. Wer nur im Chat sichtbar sein will, braucht nur die erste. Wer Käufe direkt über den Agenten abwickeln will, braucht alle drei.

Product Feed Spec: Das Sortiment für Agenten

Der Produktfeed ist eine einzelne Datei, in der jede Zeile ein Produkt beschreibt. Pflicht sind nur die Produkt-id und ein Array variants, dessen Einträge jeweils id und title tragen. Alles andere, darunter Preis und Verfügbarkeit, ist optional. Das klingt knapp, hat aber einen Grund: Der Feed soll zuerst die Auffindbarkeit sichern. Je mehr Felder ein Händler füllt, desto besser kann der Agent empfehlen, vergleichen und die Lieferbarkeit korrekt wiedergeben.

Für Shopware-Händler gibt es dafür bereits ein Werkzeug. Die Shopware-Extension „Agentic Commerce“ erzeugt den OpenAI-Produktfeed als JSONL-Datei direkt aus dem Shop. Sie ist als Beta kostenlos verfügbar, Version 1.4.0 stammt vom 2. Oktober 2026 und unterstützt Shopware 6.5.8 bis 6.7.15. Damit entfällt der Eigenbau eines Exporters, und Änderungen an Preisen oder Beständen landen über den regulären Feed-Lauf beim Agenten.

Agentic Checkout Spec: Fünf Endpunkte für den Kauf

Der Checkout ist eine REST-Schnittstelle mit API-Version 2025-09-12, die der Händler bereitstellt und der Agent aufruft. Die vollständige Referenz steht in der Checkout-Spezifikation von OpenAI. Das Modell folgt einer Checkout-Sitzung, die eröffnet, aktualisiert, abgeschlossen oder abgebrochen wird.

Die fünf Endpunkte der Agentic Checkout Spec und ihre Aufgabe
Methode und PfadAufgabe
POST /checkout_sessionsEröffnet eine Sitzung mit den gewünschten Positionen; der Händler antwortet mit Preisen, Versandoptionen und Status.
POST /checkout_sessions/{id}Aktualisiert die Sitzung, etwa nach Änderung von Adresse, Menge oder Versandart.
POST /checkout_sessions/{id}/completeSchließt den Kauf mit dem delegierten Zahlungsmittel ab; der Händler legt die Bestellung an.
POST /checkout_sessions/{id}/cancelBricht die Sitzung ab.
GET /checkout_sessions/{id}Liest den aktuellen Stand der Sitzung.

Jede Anfrage trägt einen festen Satz an HTTP-Headern: Authorization für die Authentifizierung, Idempotency-Key, damit wiederholte Aufrufe keine doppelten Bestellungen erzeugen, Request-Id zur Nachverfolgung sowie Signature und Timestamp im Format RFC 3339, mit denen der Händler Herkunft und Aktualität der Anfrage prüft. Nach dem Abschluss meldet der Händler Statuswechsel über die Webhooks order.created und order.updated an den Agenten zurück.

Wichtig für die Praxis: Der Händler bleibt Merchant of Record. Die Bestellung entsteht in seinem System, mit seinen AGB, seiner Rechnung und seinem Kundenservice. Der Agent ist technisch ein weiterer Kanal, so wie ein Marktplatz-Connector oder eine App, nur dass der Kaufdialog in natürlicher Sprache stattfindet.

Delegated Payment Spec: Bezahlen ohne Kartendaten beim Agenten

Die dritte Spezifikation löst das heikelste Problem. Der Käufer hat seine Zahlungsdaten beim Agenten hinterlegt, der Händler soll aber das Geld erhalten, ohne dass der Agent als Zahlungsempfänger auftritt. Dafür erzeugt der Zahlungsdienstleister ein delegiertes Token, bei Stripe heißt es Shared Payment Token. Es ist an Betrag, Händler und Vorgang gebunden und wird im Aufruf von /complete übergeben. Der Händler belastet es über seine bestehende PSP-Anbindung.

Stripe war Mitautor und erster Umsetzer, die Spec ist aber nicht auf Stripe beschränkt. Andere Zahlungsdienstleister können sie implementieren; OpenAI nennt unter anderem Adyen und Braintree. Für Händler bedeutet das, dass ihr bestehender PSP langfristig nicht gewechselt werden muss, sofern der Anbieter die Spezifikation umsetzt.

Praxisbeispiel: Instant Checkout in ChatGPT

Das erste und bekannteste Produkt auf Basis von ACP ist „Instant Checkout“, das OpenAI am 29. September 2025 unter dem Titel „Buy it in ChatGPT“ vorgestellt hat. Zum Start konnten US-Nutzer von ChatGPT Produkte von Etsy-Verkäufern direkt im Chat kaufen. Der Agent öffnete die Checkout-Sitzung beim Händler, der Nutzer bestätigte Adresse und Zahlung, und die Bestellung wurde über Stripe abgeschlossen. Der Start war ausdrücklich auf die USA beschränkt.

Am 28. Oktober 2025 folgte PayPal als Zahlungspartner. Damit stand neben Stripe ein zweiter großer Anbieter hinter dem delegierten Zahlungsmodell. In den folgenden Monaten kamen weitere Händler hinzu, das Grundprinzip blieb gleich: Entdeckung im Chat, Kauf im Chat, Abwicklung beim Händler.

Der Kurswechsel im März 2026

Im März 2026 hat OpenAI die Richtung geändert. Auf der Händlerseite chatgpt.com/merchants steht mit Stand Oktober 2026 wörtlich: „We're moving away from a standalone Instant Checkout experience in ChatGPT and prioritizing better shopping discovery and merchant-owned checkout experiences.“ Der eigenständige Kauf im Chat tritt also in den Hintergrund, der Fokus liegt auf Auffindbarkeit und einem Checkout, den der Händler selbst kontrolliert.

Sichtbar wird das an der Shopify-Integration, die seit März 2026 läuft: Der Nutzer findet das Produkt in ChatGPT, der Kauf selbst findet im Shop des Händlers statt. Die Händlerseite nennt weitere Eckpunkte: Es fallen keine Gebühren auf Käufe an, die in ChatGPT beginnen. Produktfeeds sind die Basis für die Sichtbarkeit. Apps sind optional und richten sich an größere Händler. Shopping in ChatGPT ist weiterhin nur für US-Nutzer live.

Für die Einordnung von ACP heißt das: Die Feed-Spezifikation ist der Teil, der heute die größte Reichweite hat. Checkout- und Payment-Spec bleiben Bestandteil des offenen Standards, aber die Frage, ob ein Kauf im Chat oder im Shop abgeschlossen wird, entscheidet derzeit der Agent-Betreiber und nicht allein das Protokoll.

Was ACP für Händler und Shopbetreiber bedeutet

Die naheliegende Frage ist, ob sich eine Anbindung lohnt, wenn Shopping in ChatGPT nur in den USA verfügbar ist. Die Antwort hängt davon ab, welche Stufe du meinst. Der Produktfeed ist günstig zu haben, bei Shopware sogar per kostenloser Extension, und er ist dieselbe Datengrundlage, die auch andere Agenten und Suchsysteme auswerten. Ein sauberer Feed mit vollständigen Varianten, Preisen und Verfügbarkeiten ist deshalb unabhängig vom aktuellen Marktstart eine sinnvolle Vorbereitung.

Die Checkout-Anbindung ist aufwendiger. Sie verlangt eine eigene API-Schicht vor dem Shop, Signaturprüfung, Idempotenz und Webhook-Verarbeitung. Für einen Händler mit Shopware bedeutet das in der Regel ein Plugin, das Checkout-Sitzungen auf Warenkörbe abbildet und beim Abschluss eine reguläre Bestellung anlegt. Wer international tätig ist und US-Kunden hat, kann das heute nutzen. Für den DACH-Markt ist es eine Option für später, deren Spezifikation sich aber jetzt schon lesen lässt.

Checkliste für die Vorbereitung

  1. Produktdaten prüfen: Jede Variante braucht eine stabile ID und einen aussagekräftigen Titel. Preise und Bestände sollten im Feed stehen, auch wenn sie optional sind.
  2. Feed erzeugen: Bei Shopware über die Extension „Agentic Commerce“, sonst über einen Export, der eine JSONL-Datei mit einem Produkt pro Zeile liefert.
  3. Händlerkonto anlegen: Über chatgpt.com/merchants den Feed registrieren; Apps nur in Betracht ziehen, wenn das Sortiment oder die Prozesse es rechtfertigen.
  4. PSP klären: Prüfen, ob der eigene Zahlungsdienstleister die Delegated Payment Spec umsetzt oder plant.
  5. Checkout-API vorbereiten: Die fünf Endpunkte und Header gegen den eigenen Warenkorb modellieren, Idempotenz und Signaturprüfung früh einplanen.

ACP, UCP und MCP: Wer macht was?

Rund um das Thema kursieren mehrere Abkürzungen, die leicht zu verwechseln sind. Das Model Context Protocol (MCP) ist ein allgemeiner Standard, über den Sprachmodelle Werkzeuge und Datenquellen ansprechen. Es sagt nichts über Warenkörbe oder Zahlungen aus. ACP setzt eine Ebene höher an und beschreibt konkret, wie ein Kauf zwischen Agent, Händler und PSP abläuft. Ein Händler kann seine ACP-Endpunkte theoretisch über MCP erreichbar machen, muss es aber nicht.

Der direkte Konkurrent ist das Universal Commerce Protocol (UCP), das Google und Shopify am 11. Januar 2026 vorgestellt haben. UCP verfolgt ein ähnliches Ziel, geht aber bei der Auffindbarkeit anders vor: Händler veröffentlichen ein Manifest unter /.well-known/ucp, über das Agenten die Fähigkeiten des Shops entdecken. ACP kennt kein solches Manifest, sondern arbeitet mit registrierten Feeds und direkt konfigurierten Endpunkten.

Abgrenzung von ACP, UCP und MCP im Überblick
MerkmalACPUCPMCP
InitiatorenOpenAI, StripeGoogle, ShopifyAnthropic (offener Standard)
Vorgestellt29.09.202511.01.20262024
ZweckKauf durch Agenten: Feed, Checkout, delegierte ZahlungKauf durch Agenten mit Discovery-ManifestWerkzeug- und Datenzugriff für Modelle
DiscoveryProduktfeed, HändlerregistrierungManifest unter /.well-known/ucpServer-Deklaration von Tools
LizenzApache 2.0offenoffen

Für Händler ist die Konkurrenz der Standards unbequem, aber nicht neu. Bei Produktfeeds für Preisvergleiche und Marktplätze haben sich ebenfalls mehrere Formate nebeneinander gehalten. Die Erfahrung daraus: Wer seine Produktdaten sauber und vollständig pflegt, kann jedes Zielformat mit überschaubarem Aufwand bedienen. Der Feed ist die gemeinsame Basis, egal ob ACP oder UCP am Ende die größere Verbreitung erreicht.

Grenzen und offene Fragen

Ein Protokoll regelt Technik, nicht Geschäft. Offen bleibt, wie Agenten Produkte auswählen, ob und wann Werbung oder bevorzugte Platzierungen ins Spiel kommen und wie Händler ihre Marke im Chat sichtbar halten. Mit dem Kurswechsel von März 2026 hat OpenAI zudem gezeigt, dass die Produktseite schneller rotiert als die Spezifikation. Wer baut, sollte deshalb auf die Spec und nicht auf ein einzelnes Feature setzen.

Rechtlich ändert ACP wenig, weil der Händler Merchant of Record bleibt. Informationspflichten, Widerruf und Rechnungsstellung laufen weiter über den Shop. Spannend wird, wie ein Agent diese Pflichten im Dialog abbildet, wenn der Kauf vollständig im Chat stattfindet. Für den europäischen Markt stellt sich diese Frage erst, wenn Shopping in ChatGPT außerhalb der USA freigeschaltet wird.

Technisch solide ist das Design: Signierte Anfragen, Idempotenz-Schlüssel und tokenisierte Zahlungen entsprechen dem, was man von einer modernen Zahlungs-API erwartet. Die Trennung in drei Spezifikationen erlaubt es, mit dem Feed zu starten und den Checkout nachzuziehen. Genau diese Reihenfolge entspricht auch dem, was OpenAI nach dem Kurswechsel priorisiert.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen ACP und Instant Checkout?

ACP ist der offene Standard, Instant Checkout war die erste Funktion in ChatGPT, die darauf aufbaut. Seit März 2026 rückt OpenAI vom eigenständigen Instant Checkout ab und setzt auf Discovery plus Checkout im Shop des Händlers. Die Spezifikation besteht unverändert fort.

Muss ich Stripe nutzen, um ACP einzusetzen?

Nein. Stripe hat die Delegated Payment Spec mitentwickelt und als Shared Payment Token umgesetzt, andere Zahlungsdienstleister können die Spezifikation aber ebenfalls implementieren. OpenAI nennt unter anderem Adyen und Braintree. PayPal unterstützt den Agenten-Checkout seit dem 28. Oktober 2025.

Können Kunden aus Deutschland über ChatGPT bei mir kaufen?

Derzeit nicht. Shopping in ChatGPT ist laut Händlerseite nur für US-Nutzer live. Händler aus Europa können ihren Produktfeed trotzdem vorbereiten und registrieren, um für eine spätere Freischaltung bereit zu sein.

Was kostet die Anbindung an ChatGPT?

Laut chatgpt.com/merchants fallen keine Gebühren auf Käufe an, die in ChatGPT beginnen. Kosten entstehen durch die eigene Umsetzung: Feed-Erzeugung, gegebenenfalls Checkout-API und die üblichen Gebühren des Zahlungsdienstleisters. Für Shopware ist die Feed-Extension kostenlos.

Wie verhält sich ACP zu UCP?

Beide Standards wollen Agenten das Einkaufen ermöglichen. ACP stammt von OpenAI und Stripe, UCP von Google und Shopify. UCP nutzt ein Manifest unter /.well-known/ucp für die Entdeckung, ACP registrierte Produktfeeds und direkte Endpunkte. Ein gepflegter Produktdatenbestand ist die gemeinsame Grundlage für beide.

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