Der teuerste Fehler bei der Förderung von Digitalisierung passiert nicht im Antrag. Er passiert eine Woche vorher, mit der Unterschrift unter das Angebot.
Bei MID-Digitalisierung gilt ein Vorhaben laut FAQ der NRW.BANK schon als begonnen, wenn ein Auftrag erteilt ist, „ggf. auch nur mündlich“. Beim BAFA gilt bereits der Beratungsvertrag als Beginn. KfW und NRW.BANK wollen den Kreditantrag sehen, bevor das Vorhaben startet. Wer zu früh unterschreibt, hat seine Förderchance verspielt, bevor sie jemand geprüft hat.
Die zweite Hürde ist veraltetes Wissen. Die beiden bekanntesten Bundesprogramme der letzten Jahre, go-digital und Digital Jetzt, gibt es nicht mehr. Was bleibt, ist kleiner und verteilt sich auf Land, KfW und BAFA. Dieser Überblick zeigt den Stand vom 09.10.2026: was offen ist, was geschlossen wurde und was zu Shop-, App- und KI-Projekten passt.
Digital Jetzt und go-digital: Was aus den Bundesprogrammen wurde
Das 2017 gestartete Programm go-digital ist laut Meldung des Bundeswirtschaftsministeriums am 31.12.2024 ausgelaufen, als Grund nennt das Ministerium die angespannte Haushaltslage. Projekte, die 2024 noch bewilligt wurden, durften 2025 umgesetzt und abgerechnet werden. Neue Anträge sind nicht mehr möglich.
Bei Digital Jetzt ist der Fall noch klarer. Die Richtlinie war laut DLR Projektträger bis 31.12.2023 befristet. Das Förderportal wurde laut Hinweis auf dem früheren Portal zum 31.03.2026 abgeschaltet, die alte Portaladresse leitet inzwischen auf die Startseite des DLR Projektträgers weiter (geprüft am 09.10.2026).
Einen direkten Nachfolger hat keines der beiden Programme. Das Ministerium verweist auf die Digitalisierungsprogramme der Bundesländer, das Netzwerk der Mittelstand-Digital-Zentren und die Förderkredite der KfW. Wer in Nordrhein-Westfalen sitzt, landet damit vor allem bei der NRW.BANK. Kostenlose Orientierung ohne Geld bieten laut NRW.BANK außerdem die NRW.BANK.Innovationspartner und das Projekt „Digital in NRW“.
Auch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), über das der Bund Forschungs- und Entwicklungsprojekte fördert, ist derzeit keine Alternative. Seit dem 7. Juli 2026, 12 Uhr, gilt laut ZIM-Website ein befristeter Antragsstopp.
Förderung Digitalisierung NRW: Diese Programme gibt es 2026 noch
Die Übersicht trennt drei Arten von Geld: Zuschüsse, die du nicht zurückzahlst, Förderkredite mit Zuschuss oder Tilgungsnachlass und geförderte Beratung. Für die Planung ist die Art oft wichtiger als die Höhe. Ein Zuschuss ist gedeckelt, ein Förderkredit wächst mit dem Projekt.
| Programm | Förderart | Höhe | Status | Passt zu |
|---|---|---|---|---|
| MID-Digitalisierung (NRW.BANK) | Zuschuss | 50 %, max. 15.000 € | offen, monatliches Losverfahren | marktfähigen digitalen Produkten mit KI, maschinellem Lernen, Data Mining, Echtzeitverarbeitung oder AR/VR (keine Webshops, Websites, Chatbots) |
| MID-Digitale Sicherheit (NRW.BANK) | Zuschuss | 50 %, max. 15.000 € | offen, monatliches Losverfahren | Sicherheitsanalyse, Schulung, IT-Basisschutz |
| MID-Digitale Prozesse (NRW.BANK) | Zuschuss | max. 500 € je Beratungstag, max. 15.000 € | Förderaufruf 2026 geschlossen | Prozessberatung und Softwareauswahl |
| NRW.BANK.Impuls KI | Zuschuss | 50 %, max. 25.000 € | Portal geschlossen | KI-Beratung und Test von KI-Systemen |
| MID-Assistent/in (NRW.BANK) | Zuschuss | max. 48.000 € bzw. 33.000 € für 2 Jahre | Wartesaal geschlossen | Hochschulabsolvent für ein Digitalisierungsprojekt |
| ERP-Förderkredit Digitalisierung (KfW 511/512) | Kredit mit Zuschuss | bis 25 Mio. €, Zuschuss 3 % oder 5 %, max. 200.000 € | offen, Antrag über die Hausbank | Shop-, Website- und App-Relaunch, ERP, KI mit eigenen Daten |
| NRW.BANK.Invest Zukunft | Darlehen mit Tilgungsnachlass | bis 10 Mio. €, Nachlass bis 20 % | offen, Antrag über die Hausbank | KI, datenbasierte Systeme, Unternehmenssoftware wie ERP und CRM |
| BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen | Zuschuss | 50 % von max. 3.500 €, also max. 1.750 € | Anträge bis 31.12.2026 | Strategie- und Digitalisierungsberatung |
Bei den Zuschüssen fällt auf, wie schnell die Töpfe leer sind. NRW.BANK.Impuls KI startete am 17.08.2026, am 09.10.2026 war das Portal wegen der vielen Anträge bereits geschlossen. MID-Digitale Prozesse hat die maximale Zahl an Anträgen für 2026 erreicht, beim Programm MID-Assistent/in ist der Wartesaal bis auf Weiteres zu. Stand 12.10.2026 ist das bei allen drei Programmen unverändert.
MID-Digitalisierung: bis zu 15.000 Euro für digitale Produkte mit KI
MID-Digitalisierung ist der Zuschuss in dieser Liste, der Softwareentwicklung direkt bezuschusst. Der Haken steckt im Wort „Produkt“. Gefördert wird die Entwicklung oder Weiterentwicklung digitaler Produkte, die nachweislich für den Einsatz am Markt bestimmt sind. Sie müssen mindestens eine dieser Technologien einsetzen: Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Data Mining, Echtzeit- oder Hochgeschwindigkeitsverarbeitung oder AR/VR. Dazu verlangt die NRW.BANK eine konkrete Zielgruppe und eine realistische Marktverwertung.
Gefördert werden drei Schritte: die Konzeption, die prototypische Umsetzung und die Weiterentwicklung eines Produkts, das neuartig ist oder den Stand der Technik deutlich verbessert. Eine KI-gestützte Software, die du als Produkt an Kunden verkaufst oder lizenzierst, ein Minimum Viable Product mit Machine-Learning-Kern oder eine AR-Anwendung, die du Industriekunden für Wartung und Schulung anbietest, können in dieses Raster passen.
Entscheidend für Agenturprojekte ist die Ausschlussliste in der Anlage zur Richtlinie. Nicht gefördert werden Webseiten, Webshops, Social-Media- und Marketingtools, Anwendungen zur Kundenbindung, Chatbots und vergleichbare Messaging-Anwendungen sowie Funktionen zur Abwicklung des Verkaufs wie eine Zahlfunktion. Das gilt auch dann, wenn KI darin steckt.
Ebenfalls ausgeschlossen sind Vorhaben, die gesetzliche Vorgaben wie E-Rechnung oder Zeiterfassung umsetzen, routinemäßige Änderungen an bestehenden Produkten, Hardware, Standardsoftware und reine Wartungsverträge. Die Richtlinie selbst gilt seit dem 01.01.2026 und läuft bis zum 31.12.2029, Geld gibt es aber nur im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.
Wichtig für alle, die MID aus den Vorjahren kennen: Zum 01.01.2026 wurde die Richtlinie angepasst. Der Schwerpunkt „Digitale Prozesse“, also die Digitalisierung interner Abläufe, ist aus MID-Digitalisierung entfallen. Er lebt als eigenes Teilprogramm MID-Digitale Prozesse weiter, das nur noch externe Beratung fördert und dessen Förderaufruf für 2026 bereits voll ist.
So läuft das Losverfahren
Der Zugang ist zweistufig. Zuerst gibst du im Kundenportal der NRW.BANK eine Interessensbekundung ab, die Lose werden monatlich gezogen. Wird dein Los gezogen, ist der Antrag freigeschaltet, und du hast 28 Tage Zeit, ihn zu stellen. Ohne Losglück registrierst du dich im nächsten Monat erneut. Planbar ist das nicht. Deshalb sollte kein Projektstart an diesem Zuschuss hängen.
Die Bedingungen im Kleingedruckten
- Antragsberechtigt sind Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen nach EU-Definition mit Sitz in NRW.
- Die Fördersumme berechnet sich aus dem Nettoangebot deines Dienstleisters. Du brauchst also einen externen Dienstleister mit einschlägigen Referenzen, eigene Entwicklerinnen und Entwickler zählen nicht.
- Der Zuschuss beträgt mindestens 4.000 Euro, die förderfähigen Kosten müssen deshalb bei mindestens 8.000 Euro liegen.
- Vor dem Zuwendungsbescheid darfst du weder beginnen noch Verträge mit Partnern rechtskräftig abschließen.
- Du gehst in Vorleistung. Erstattet wird einmalig nach Abschluss der Maßnahme und Begleichung der Schlussrechnung.
- Ein Unternehmen kann das Teilprogramm nur einmal in zwei Jahren nutzen. Die Laufzeit beträgt je nach Festlegung 3, 6, 9 oder 12 Monate.
- Weitere öffentliche Zuschüsse für dieselbe Maßnahme sind ausgeschlossen, öffentliche Darlehen und Bürgschaften sind erlaubt. Der Zuschuss selbst ist eine De-minimis-Beihilfe.
Kurz gesagt: MID-Digitalisierung zahlt die Hälfte der Entwicklung eines marktfähigen KI-Produkts, höchstens 15.000 Euro, wenn das Los mitspielt und noch kein Vertrag unterschrieben ist. Shop, Website und Chatbot fallen heraus.
Förderkredite: ERP-Förderkredit Digitalisierung und NRW.BANK.Invest Zukunft
Für alles, was größer ist als ein Prototyp, führt der Weg über Kredite. Das klingt weniger attraktiv als ein Zuschuss. In den Stufen 2 und 3 des KfW-Kredits und bei Invest Zukunft für kleine und mittlere Unternehmen steckt aber ein Anteil darin, den du nicht zurückzahlst.
ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW (511/512)
Die KfW ordnet Vorhaben in drei Stufen ein. Die Stufe hängt laut Merkblatt nur von der Art des Vorhabens ab, nicht vom Digitalisierungsgrad deines Unternehmens. Stufe 1 (Basisdigitalisierung) deckt grundlegende Hard- und Software ab, ist Freiberuflern sowie kleinen und mittleren Unternehmen vorbehalten und setzt den vorherigen KfW-Digitalisierungs-Check voraus.
Stufe 2 (LevelUp) nennt ausdrücklich digitale Vertriebskanäle, Angebote auf digitalen Plattformen und die „grundlegende Neugestaltung einer Unternehmenswebsite oder App mit neuen Funktionalitäten“, dazu ERP- und CRM-Systeme sowie die Erarbeitung und Umsetzung einer umfassenden Digitalisierungsstrategie.
Stufe 3 (HighEnd) erreichst du auf zwei Wegen: mit einem großen Stufe-2-Vorhaben, dessen Kreditbetrag 3 % des letzten Jahresgruppenumsatzes übersteigt, oder mit Zukunftstechnologien wie Big Data und KI. Für KI gilt eine Einschränkung: Sie muss unternehmensinterne Daten nutzen. Standardsoftware mit integrierten KI-Tools zählt laut Merkblatt nicht.
Der Kredit reicht bis 7,5 Mio. Euro in Stufe 1 und bis 25 Mio. Euro in den Stufen 2 und 3, dort sind auch größere Mittelständler bis 500 Mio. Euro Gruppenumsatz antragsberechtigt. Förderfähig sind Hard- und Software samt Implementierung und den internen und externen Personalkosten dafür, Beraterkosten eingeschlossen.
Dazu kommt der ERP-Förderzuschuss: 3 % des ausgezahlten Kreditbetrags in Stufe 2, 5 % in Stufe 3, höchstens 200.000 Euro, vergeben als De-minimis-Beihilfe. Den Kreditantrag stellst du bei deiner Bank, bevor das Vorhaben beginnt.
NRW.BANK.Invest Zukunft
Das Landesgegenstück ist NRW.BANK.Invest Zukunft, ein Ratendarlehen bis 10 Mio. Euro für bis zu 100 % der förderfähigen Kosten. Unter dem Verwendungszweck Digitalisierung nennt die NRW.BANK unter anderem KI und maschinelles Lernen, datenbasierte Systeme, spezifische Unternehmenssoftware wie ERP-, CRM- und ECM-Systeme, IoT, Robotik und Cyberabwehr. Non-IT-Hardware ist ausgenommen.
Webshops, Websites oder Kunden-Apps stehen nicht auf dieser Liste. Ausgeschlossen sind außerdem Vorhaben, die nur routinemäßige Änderungen an bestehenden Produkten und Verfahren betreffen, und reine Ersatzinvestitionen ohne wesentliche Verbesserung.
Der eigentliche Hebel ist der Tilgungsnachlass. Seine Höhe richtet sich nach der Unternehmensgröße und den tatsächlich angefallenen förderfähigen Kosten: 20 % für kleine und 10 % für mittlere Unternehmen bei Darlehen bis 1 Mio. Euro, darüber 10 % beziehungsweise 5 %. Voraussetzung ist, dass du die Verwendung der Mittel innerhalb der tilgungsfreien Zeit nachweist. Beantragt wird über die Hausbank vor Beginn des Vorhabens, nachdem du es im Kundenportal der NRW.BANK erfasst hast.
Welche Förderung passt zu Shop, App und KI-Projekt?
Förderprogramme sind nach Technologien und Vorhabenarten sortiert, Projekte nach Zielen. Die folgende Zuordnung übersetzt das eine ins andere. Sie ersetzt keine Förderberatung, zeigt aber, mit welchem Programm du das Gespräch beginnst.
Online-Shop, Website oder Relaunch
Für einen neuen oder grundlegend erneuerten Shop ist MID-Digitalisierung keine Option. Die Richtlinie schließt Webshops und Websites ebenso aus wie Zahlfunktionen, auch wenn KI im Spiel ist. Der passende Weg ist Stufe 2 des ERP-Förderkredits Digitalisierung, weil die KfW digitale Vertriebskanäle und die grundlegende Neugestaltung von Website oder App ausdrücklich nennt. Das bringt 3 % Zuschuss auf den Kredit.
NRW.BANK.Invest Zukunft nennt Shops und Websites nicht. Hängt am Relaunch eine größere Anbindung an ERP oder CRM, lohnt trotzdem die Frage bei der Förderberatung der NRW.BANK, ob dieser Teil als spezifische Unternehmenssoftware zählt.
Ein Versions-Update ohne grundlegend neue Funktionen ordnet die KfW dagegen der Basisdigitalisierung zu, also Stufe 1 ohne Zuschuss. Für die Förderung lohnt es sich deshalb, den Umfang eines Projekts in der E-Commerce-Entwicklung sauber zu beschreiben: Welche Funktionen sind neu, welche Kanäle kommen dazu?
App oder Individualsoftware
Hier entscheidet, wer die Software nutzt und wofür. Ist die App ein eigenständiges Produkt, das du am Markt verkaufen oder lizenzieren willst, und steckt KI, maschinelles Lernen oder AR/VR darin, ist MID-Digitalisierung der erste Kandidat, etwa für Konzeption und Prototyp. Eine Kunden-App für Bindung, Marketing oder Verkauf fällt dagegen unter die MID-Ausschlüsse, auch mit KI. Für sie bleibt Stufe 2 der KfW, die die grundlegende Neugestaltung einer App mit neuen Funktionen ausdrücklich nennt.
Ist es ein internes Werkzeug, etwa eine Individualsoftware mit Anbindung an das ERP, passen Stufe 2 des KfW-Kredits oder Invest Zukunft unter „spezifische Unternehmenssoftware“. In beiden Fällen braucht der Antrag eine klare Vorhabenbeschreibung. Die KfW verlangt eine Projektskizze mit Ist- und Soll-Zustand und den wesentlichen Schritten dazwischen. Wer die individuelle Softwareentwicklung ohnehin sauber plant, hat diese Unterlage praktisch schon.
KI-Projekt
Bei KI gibt es drei Fälle. Erstens: KI steckt in einem Produkt, das du am Markt verkaufen willst. Dann passt MID-Digitalisierung. Chatbots, Messaging-Assistenten und KI-Funktionen für Marketing oder Kundenbindung gehören nicht dazu, sie stehen auf der Ausschlussliste. Zweitens: KI soll im eigenen Betrieb mit eigenen Daten arbeiten, etwa in der Qualitätsprüfung oder Disposition. Dafür sind Stufe 3 des KfW-Kredits und Invest Zukunft gedacht. Eine Office-Suite mit eingebautem KI-Assistenten reicht nicht, Standardsoftware mit integrierten KI-Tools schließt die KfW ausdrücklich aus.
Drittens: Du willst erst herausfinden, wo KI sich lohnt. Für genau diesen Fall war Impuls KI mit bis zu 25.000 Euro für Beratung und Tests gedacht, das Portal ist aber derzeit geschlossen. Bis es wieder öffnet, bleibt die geförderte BAFA-Beratung bei einem neutralen Berater. Gehört die Analyse zu einem größeren Digitalisierungsvorhaben, kann sie auch unter die Digitalisierungsstrategie in Stufe 2 des KfW-Kredits fallen. Sonst ist eine KI-Beratung ein normales Projekt ohne Förderung.
Strategie und Beratung
Die BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen ist klein, aber offen. Gefördert werden Beratungskosten bis 3.500 Euro, in NRW als altem Bundesland mit 50 %, also höchstens 1.750 Euro je Beratung. Pro Unternehmen sind bis zu zwei Beratungen im Jahr und fünf in der Laufzeit der Richtlinie möglich. Sie gilt für Anträge bis 31.12.2026.
Die Beraterin oder der Berater muss beim BAFA registriert sein und mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Unternehmensberatung erzielen. Außerdem muss die Beratung neutral sein: Nicht gefördert wird eine Beratung, deren Zweck der Kauf von Leistungen ist, die der Berater selbst vertreibt. Eine Agentur, die anschließend dein Projekt umsetzen will, ist für diese Beratung deshalb die falsche Adresse, uns eingeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen sind Beratungen, die sich überwiegend um Fördermittel drehen.
Beispielrechnung: Was die Förderung in Euro bringt
Wie stark der Deckel wirkt, zeigt das Rechenbeispiel aus den FAQ der NRW.BANK zu MID-Digitalisierung. Das Angebot des Dienstleisters liegt bei 31.000 Euro netto. Rechnerisch ergäbe das 15.500 Euro Zuschuss, ausgezahlt werden höchstens 15.000 Euro. Die übrigen 16.000 Euro trägst du selbst.
| Programm | Formel laut Förderbedingungen |
|---|---|
| MID-Digitalisierung | 50 % des Nettoangebots, Zuschuss mind. 4.000 €, max. 15.000 € |
| ERP-Förderkredit Digitalisierung, Stufe 2 | 3 % Zuschuss auf den ausgezahlten Kreditbetrag, max. 200.000 € |
| ERP-Förderkredit Digitalisierung, Stufe 3 | 5 % Zuschuss auf den ausgezahlten Kreditbetrag, max. 200.000 € |
| NRW.BANK.Invest Zukunft, kleines Unternehmen, Darlehen bis 1 Mio. € | 20 % Tilgungsnachlass, bemessen an den tatsächlich angefallenen förderfähigen Kosten |
| BAFA-Beratung in NRW | 50 % der Beratungskosten bis 3.500 €, also höchstens 1.750 € Zuschuss |
Zinsvorteile sind in der Tabelle nicht eingerechnet, die Konditionen veröffentlichen KfW und NRW.BANK tagesaktuell. Den Nettobetrag für die eigene Rechnung liefert erst das Angebot. Eine erste Einschätzung zu Kosten und Dauer für Shop, App oder Software liefert vorab der Projekt-Rechner. Damit lässt sich abschätzen, ob ein Vorhaben unter dem MID-Deckel bleibt oder in die Größenordnung eines Förderkredits wächst.
Und ehrlich gesagt ist die bessere erste Frage, ob sich das Projekt auch ohne Förderung trägt. Förderung sollte ein Projekt besser machen, nicht erst rechtfertigen. Welche Vorhaben sich schnell rechnen, zeigt unser Beitrag zu Digitalisierungsprojekten, die sich in zwölf Monaten amortisieren.
Reihenfolge: erst Antrag, dann Auftrag
Alle offenen Programme in diesem Überblick teilen eine Regel: Das Vorhaben darf vor dem Antrag nicht begonnen haben, bei MID nicht vor dem Zuwendungsbescheid und beim BAFA nicht vor dem Informationsschreiben. In der Praxis heißt das:
- Vorhaben beschreiben. Ist-Zustand, Soll-Zustand, Ziel und grober Umfang. Ein Lastenheft ist dafür eine gute Grundlage, die Projektskizze der KfW fragt genau diese Punkte ab.
- Angebot einholen, nicht unterschreiben. Bei MID berechnet sich der Zuschuss aus dem Nettoangebot. Auch ein mündlicher Auftrag gilt laut MID-FAQ der NRW.BANK als Beginn.
- Programm wählen und Antrag stellen. MID: Interessensbekundung zum monatlichen Los, nach dem Gewinn 28 Tage für den Antrag. KfW und Invest Zukunft: Antrag über die Hausbank, bei Invest Zukunft nach der Erfassung im Kundenportal der NRW.BANK. BAFA: Online-Antrag.
- Freigabe abwarten. Bei MID den Zuwendungsbescheid, beim BAFA das Informationsschreiben der Leitstelle. Bei KfW und Invest Zukunft verlangen die Förderbedingungen nur, dass der Antrag vor dem Start bei der Bank liegt. Wer vor der Kreditzusage beauftragt, trägt aber das Finanzierungsrisiko selbst.
- Beauftragen und umsetzen. Erst jetzt wird unterschrieben.
- Nachweise pünktlich einreichen. Bei MID rufst du den Zuschuss nach Abschluss mit der bezahlten Schlussrechnung innerhalb der Frist aus dem Bescheid ab, beim BAFA reichst du den Nachweis spätestens sechs Monate nach dem Informationsschreiben ein, bei Invest Zukunft innerhalb der tilgungsfreien Zeit, sonst entfällt der Tilgungsnachlass.
Häufige Fragen zur Förderung der Digitalisierung
Gibt es Digital Jetzt 2026 noch?
Nein. Die Richtlinie von Digital Jetzt war bis 31.12.2023 befristet, das Förderportal wurde zum 31.03.2026 abgeschaltet. Neue Anträge sind nicht möglich, einen direkten Nachfolger gibt es nicht.
Was ersetzt die go-digital-Förderung?
Kein einzelnes Programm. Das Programm go-digital ist am 31.12.2024 ausgelaufen. Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf Landesprogramme, die Mittelstand-Digital-Zentren und die KfW. In NRW sind das vor allem MID der NRW.BANK, der ERP-Förderkredit Digitalisierung und NRW.BANK.Invest Zukunft.
Wie funktioniert das Losverfahren bei MID-Digitalisierung?
Du gibst monatlich eine Interessensbekundung im Kundenportal der NRW.BANK ab, die Lose werden monatlich gezogen. Bei einem Treffer hast du 28 Tage für den Antrag. Ohne Treffer nimmst du im Folgemonat erneut teil.
Wird ein Online-Shop in NRW gefördert?
Nicht über MID-Digitalisierung: Die Richtlinie schließt Webshops und Websites aus, auch mit KI. Ein neuer Shop oder ein Relaunch mit neuen Funktionen kann in Stufe 2 des ERP-Förderkredits Digitalisierung fallen, mit 3 % Zuschuss auf den Kredit, höchstens 200.000 Euro. NRW.BANK.Invest Zukunft nennt Shops nicht ausdrücklich. Ob ein Teil des Vorhabens dort passt, klärst du vorab mit der Förderberatung der NRW.BANK.
Kann ich mehrere Förderprogramme kombinieren?
Teilweise. Neben MID-Digitalisierung sind weitere öffentliche Zuschüsse für dieselbe Maßnahme ausgeschlossen, öffentliche Darlehen und Bürgschaften sind erlaubt. MID-Digitalisierung, der BAFA-Zuschuss und der ERP-Förderzuschuss sind De-minimis-Beihilfen. Zusammen mit anderen De-minimis-Hilfen dürfen sie in drei Jahren 300.000 Euro nicht überschreiten. Ob ein Kreditzuschuss oder Tilgungsnachlass neben MID als Zuschuss zählt, klärst du vorab mit der Förderberatung der NRW.BANK.
Bis wann kann ich die BAFA-Beratungsförderung beantragen?
Die aktuelle Förderrichtlinie gilt für Anträge, die bis 31.12.2026 gestellt werden. Eine Anschlussregelung für 2027 hat das BAFA bisher weder veröffentlicht noch angekündigt (Stand 12.10.2026).
Fazit
Die Förderung der Digitalisierung in NRW ist 2026 schmaler als zu Zeiten von go-digital und Digital Jetzt. Für ein marktfähiges KI-Produkt ist MID-Digitalisierung der passende Zuschuss, mit dem Haken Losverfahren. Shop, Website und Chatbot fördert MID nicht. Für Shop- und Website-Relaunches ist Stufe 2 des ERP-Förderkredits Digitalisierung der realistische Weg, für interne Software und KI mit eigenen Daten kommt NRW.BANK.Invest Zukunft dazu. Beratung fördert das BAFA, allerdings nur neutral und nur noch für Anträge bis Jahresende.
Die Reihenfolge entscheidet mehr als die Programmwahl: beschreiben, Angebot holen, Antrag stellen, Freigabe abwarten, dann erst beauftragen. Wenn du für dein Vorhaben eine belastbare Projektbeschreibung und ein Angebot brauchst, das sich für den Antrag eignet, sprich mit uns, bevor du irgendetwas unterschreibst. Das gilt auch für ein Angebot von uns.