Direkte Antwort
Der Wechsel von Magento zu Shopware 6 lohnt sich, wenn dir planbare Lizenzkosten, deutsches Hosting, Datenhoheit und nativer B2B-Funktionsumfang wichtiger sind als sehr große, internationale Multi-Store-Kataloge. Bei komplexen Sortimenten und tiefer Adobe-Experience-Cloud-Anbindung bleibt Magento die richtige Wahl. Entscheidend ist das Gesamtbild, nicht eine Einzelfunktion.
Für Magento ist kein „Magento 3" geplant. Adobe hat die Weiterentwicklung auf cloud-native Dienste wie App Builder und Edge Delivery Services verlagert, und der Support der gängigen Release-Linien läuft gestaffelt aus: Für Magento Open Source 2.4.6 endet er am 11. August 2026, für 2.4.7 im April 2027. Magento selbst ist nicht am Ende. Die aktuelle Version 2.4.9 erschien im Mai 2026, Sicherheitspatches kommen weiter. Aber die strategische Richtung steht fest, und sie ist eine andere als der klassische Monolith, auf dem die meisten Bestandsshops laufen.
Vor diesem Hintergrund prüfen viele Händler im DACH-Raum, ob Shopware 6 die tragfähigere Basis ist. Dieser Artikel vergleicht beide Systeme entlang der Kriterien, die bei einem Replatforming wirklich zählen: Lizenz- und Kostenmodell, Architektur und Wartung, B2B-Funktionen, Migrationspfad und Datenhoheit. Er richtet sich an Händler, die heute auf Magento Open Source oder Adobe Commerce laufen und einen Umstieg erwägen. Außen vor bleiben reine Neugründungen ohne Bestandssystem und der Vergleich mit SaaS-Plattformen wie Shopify.
Die Kurzfassung: Magento vs. Shopware auf einen Blick
Beide Systeme sind PHP-basiert, beide können anspruchsvollen B2B- und B2C-Handel tragen. Der Unterschied liegt weniger in einer einzelnen Funktion als im Gesamtbild aus Kostenmodell, Datenhoheit und strategischer Richtung. Die Faustregel:
Magento und Adobe Commerce spielen ihre Stärke bei sehr großen, komplexen Katalogen, internationalen Multi-Store-Setups und tiefer Einbindung in die Adobe Experience Cloud aus. Shopware ist im DACH-Mittelstand dann stark, wenn planbare Lizenzkosten, deutsches Hosting, Datenhoheit und ein nativer B2B-Funktionsumfang den Ausschlag geben.
Magento vs. Shopware 6 im Direktvergleich: Lizenzmodell, Kosten, Stack, Hosting, B2B, Roadmap und Migration | ||
Kriterium | Magento (Open Source / Adobe Commerce) | Shopware 6 |
|---|---|---|
Lizenzmodell | Open Source kostenlos; Adobe Commerce kommerziell | Community Edition (Open Source) + Lizenzpläne |
Lizenzkosten | 0 € (Open Source); Adobe Commerce GMV-abhängig | bis 1 Mio. € GMV/Jahr kostenlos, Pläne ab 600 €/Monat |
Stack | PHP, eigenes Framework, Luma/PWA Studio bzw. Edge Delivery | PHP/Symfony, Twig, API-first, Vue/Nuxt-Frontends |
Hosting | frei wählbar (Open Source) / Adobe Cloud (Commerce) | frei wählbar, auch DE-Rechenzentrum / On-Premises |
Natives B2B | nur in Adobe Commerce; Open Source ohne natives B2B | nativ ab Evolve-Plan (B2B Components) |
Roadmap | kein Magento 3; Adobe-Fokus auf cloud-native Dienste | aktive Major-Releases (6.7 seit Mai 2025) |
Migration nach Shopware | — | Migration Assistant + Magento-Profil (Magento 1 & 2) |
Die folgenden Abschnitte ordnen diese Punkte ein, beginnend mit einer Klärung, über welches „Magento" wir überhaupt sprechen.
Magento Open Source oder Adobe Commerce: worüber wir reden
Bevor der Vergleich trägt, lohnt die Unterscheidung der beiden Magento-Varianten, denn sie führen zu sehr unterschiedlichen Ausgangslagen.
Magento Open Source (früher Community Edition) ist kostenlos lizenzierbar und self-hosted. Du zahlst kein Lizenzentgelt, trägst aber Hosting, Entwicklung, Erweiterungen und Wartung selbst. Ein nativer B2B-Funktionsumfang fehlt; B2B-Szenarien werden über Drittanbieter-Extensions abgebildet.
Adobe Commerce (früher Magento Commerce / Enterprise) ist die kommerzielle Variante mit Lizenzkosten. Sie bringt Funktionen mit, die Open Source nicht hat: natives B2B, Page Builder, erweiterte Promotions, Adobe-Sensei-Funktionen und die Einbindung in die Adobe Experience Cloud. Adobe Commerce gibt es self-hosted oder als gehostete Adobe-Commerce-Cloud-Variante.
Diese Trennung entscheidet, worüber du beim Wechsel überhaupt nachdenkst. Auf Magento Open Source geht es vor allem um Wartungsaufwand und fehlende native Funktionen. Bei Adobe Commerce kommen ein laufendes Lizenzmodell und eine tiefe Adobe-Integration hinzu, die ein Wechsel mit ablöst. Beide Linien teilen sich denselben technischen Kern und dieselbe strategische Ansage von Adobe: kein Magento 3, Weiterentwicklung über cloud-native Bausteine. Das ist kein Stillstand. Es ist eine Richtungsentscheidung, die nicht jeder Mittelständler mitgehen will.
Lizenz- und Kostenmodell im Vergleich
Beim Kostenmodell trennen sich die Systeme deutlich, allerdings je nach Magento-Variante an unterschiedlicher Stelle.
Magento Open Source ist lizenzkostenfrei. Die Kosten entstehen bei Hosting, Entwicklung, Extensions und Wartung. „Keine Lizenz" heißt also nicht „günstig", sondern verlagert die Kosten in Betrieb und Pflege. Adobe Commerce dagegen rechnet umsatzabhängig: Adobe veröffentlicht keine offizielle Preisliste, Brancheneinschätzungen nennen Einstiegspreise ab rund 22.000 US-Dollar pro Jahr (On-Premises), die mit dem GMV (Gross Merchandise Value, dem über den Shop abgewickelten Handelsvolumen) steigen. Die Cloud-Variante liegt höher.
Shopware kombiniert beides. Die Community Edition ist Open Source und bis 1 Mio. € GMV pro Jahr kostenlos nutzbar; darüber ist ein kostenpflichtiger Plan erforderlich. Die Pläne starten bei rund 600 €/Monat (Rise, B2C), Evolve mit nativem B2B liegt bei rund 2.400 €/Monat, Beyond bei rund 6.500 €/Monat. In allen Fällen gilt: Die Lizenz macht typischerweise nur 15 bis 25 Prozent der Gesamtkosten aus, der Rest entfällt auf Agentur, Hosting und Betrieb.
Ein Rechenbeispiel zur Orientierung, ausdrücklich keine Angebotskalkulation: Ein B2C-Händler mit rund 3 Mio. € Jahresumsatz zahlt für eine Adobe-Commerce-Lizenz je nach Vertrag einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Jahr, der mit dem GMV weiter steigt. Derselbe Händler liegt auf Shopware oberhalb der 1-Mio.-€-Grenze bei einem Rise-Plan ab rund 600 €/Monat, also grob 7.200 € im Jahr. Die Lizenzdifferenz ist real, entscheidet die Gesamtrechnung aber nicht allein, weil Hosting, Betrieb und Weiterentwicklung in beiden Fällen der größere Posten bleiben. Für einen Magento-Open-Source-Händler verschiebt sich die Frage ohnehin: Er spart keine Lizenz, sondern vergleicht den laufenden Wartungsaufwand, und genau der ist das Thema des nächsten Abschnitts.
Architektur, Wartung und Entwicklung
Technisch sind beide Systeme PHP-Anwendungen, doch Aufbau und Pflegeaufwand unterscheiden sich.
Magento gilt als mächtig und ausgereift, zugleich als ressourcenhungrig und komplex. Die Plattform deckt sehr große Kataloge, mehrere Stores und vielschichtige Preislogiken ab. Der Preis dafür ist eine steile Lernkurve und ein hoher Hosting-Bedarf. Wer schon einmal ein größeres Magento-Update mit zwei Dutzend Extensions durchgezogen hat, kennt den Aufwand: Kompatibilitäts-Checks, Patch-Konflikte, Regressionstests über die halbe Storefront. Das Extension-Ökosystem ist groß, altert in Teilen aber, und qualifizierte Magento-Entwickler sind im DACH-Raum nicht in jeder Region leicht zu finden.
Shopware 6 setzt auf PHP mit dem Symfony-Framework, ist seit der Code-Basis von 2019 API-first aufgebaut und nutzt Twig als Template-Sprache. Für das Frontend gibt es mit den Shopware Frontends einen headless-fähigen Stack auf Vue/Nuxt-Basis, wahlweise klassisch über die Storefront oder composable. In der Summe ist der Stack moderner und an verbreitete Entwicklerkenntnisse anschlussfähiger, was im DACH-Markt die Suche nach Entwicklungspartnern erleichtert.
Neutral betrachtet bringt Adobe Commerce im kommerziellen Paket out-of-the-box mehr Enterprise-Funktionen mit als Shopware in den unteren Plänen. Shopware punktet beim moderneren Unterbau und bei der Verfügbarkeit von Know-how. Wer den Aufwand für E-Commerce-Plattformentwicklung und -Betrieb realistisch kalkuliert, sollte beide Seiten dieser Rechnung kennen.
B2B-Funktionen im Vergleich
Bei B2B hängt das Ergebnis stark davon ab, welche Magento-Variante im Einsatz ist.
Adobe Commerce bringt ein ausgereiftes natives B2B-Modul mit: Firmenkonten, geteilte Kataloge, Angebotsfunktion (Quoting), Bestelllisten und Freigabe-Workflows. Wer das heute produktiv nutzt, hat eine solide B2B-Basis, die bei einem Wechsel neu aufgebaut werden müsste. Magento Open Source dagegen hat kein natives B2B. Dort entsteht B2B über Extensions, mit dem bekannten Folgeaufwand aus Kompatibilität, Updates und Pflege.
Shopware liefert die B2B-Funktionen ab dem Evolve-Plan nativ mit, über die B2B Components: rollenbasierte Zugriffe, Einkaufshierarchien, Freigabe-Prozesse und Angebotsmanagement. Der geführte Verkaufsraum mit den Digital Sales Rooms, in dem Vertrieb und Einkäufer dieselben Produkte, Preise und Bestände in Echtzeit sehen, gehört zum Beyond-Plan.
Für die Wechselentscheidung sind damit zwei Ausgangslagen sauber zu trennen. Von Adobe Commerce mit funktionierendem B2B kommend gewinnst du durch den Umstieg keinen Funktionsumfang, du verlagerst ihn auf einen anderen Stack, mit dem entsprechenden Projektaufwand. Steht dein B2B dagegen auf Magento Open Source aus zusammengesteckten Extensions, bringt Shopwares nativer Unterbau vor allem eines: weniger Teile, die bei jedem Update brechen können.
Der Migrationspfad: Magento → Shopware 6
Ein Wechsel steht und fällt mit einem belastbaren Migrationspfad, und genau hier ist Shopware konkret.
Shopware stellt mit dem Migration Assistant ein kostenloses Plugin bereit, das über das Magento-Migrationsprofil (aus dem Shopware Community Store) Magento 1 und 2 als Quellsysteme unterstützt. Technisch verbindet sich die neue Shopware-6-Installation lesend mit der Magento-Datenbank; an der Quelle werden keine Änderungen vorgenommen. Migrierbar sind unter anderem Produkte, Kategorien, Hersteller, Kunden, Bestellungen und Medien, mit der Option, die Datensätze später erneut abzugleichen.
Die Datenübernahme ist dabei selten das eigentliche Risiko. Der häufigste Stolperstein ist eine Magento-Extension ohne direktes Shopware-Pendant: ein Produktkonfigurator, eine spezielle Steuer- oder Preislogik, eine ERP-Anbindung, die im alten Shop über ein Plugin lief und im neuen System neu gebaut werden muss. Solche Funktionslücken bestimmen Aufwand und Zeitplan stärker als die Frage, ob 50.000 Produkte sauber durchlaufen.
In die Projektplanung gehören deshalb von Anfang an: der Neuaufbau von Theme und Frontend, die Bewertung jeder individuellen Extension, die Prüfung von Custom-Code-Geschäftslogik und ein sauberes Redirect-Mapping der alten auf die neuen URLs, damit der Relaunch keine Rankings kostet. Als groben Zeitrahmen kannst du, je nach Komplexität, drei bis sechs Monate ansetzen, vergleichbar mit einer Migration von Shopware 5 auf 6. Weil Frontend, Schnittstellen (ERP, PIM, CRM) und Prozessübernahme den Ausschlag geben, zahlt sich eine strukturierte Shopware-Migration mit erfahrener Begleitung aus.
Datenhoheit, DSGVO und Hosting
Beim Datenschutz lohnt sich Präzision, weil der oft pauschal genannte „Shopware-Vorteil" je nach Magento-Variante unterschiedlich groß ausfällt.
Self-hosted betrieben, behalten sowohl Shopware als auch Magento Open Source die volle Kontrolle über Speicherort und Verarbeitung der Kunden- und Transaktionsdaten. Du wählst Hosting-Provider und Standort frei, inklusive deutscher Rechenzentren, und der Plattformanbieter greift nicht auf operative Shopdaten zu. In dieser Konstellation sind beide Open-Source-Systeme DSGVO-seitig gut planbar.
Der Unterschied entsteht bei der Adobe-Commerce-Cloud: Hier liegen die Daten in der Infrastruktur eines US-Anbieters, mit Auftragsverarbeitung über Subprozessoren und ohne freie Wahl des Hosting-Standorts. Für Unternehmen unter strengen Datenschutzanforderungen, etwa im regulierten Umfeld oder bei Konzern-Ausschreibungen, ist das ein realer Prüfpunkt. Gegenüber der Adobe-Commerce-Cloud ist Shopwares self-hosted Betrieb klar im Vorteil; gegenüber einem self-hosted Magento Open Source ist der Unterschied bei der reinen Datenhoheit dagegen gering.
Hinzu kommt die Barrierefreiheit: Shopware 6.7 (Mai 2025) hat die Templates gezielt auf die Anforderungen des European Accessibility Act ausgerichtet, mit semantischem HTML und angepassten Standardthemes. Bei einem ohnehin anstehenden Relaunch lässt sich die Barrierefreiheit nach BFSG so direkt mitnehmen, statt sie später nachzurüsten.
Wann Magento die richtige Wahl bleibt
Damit der Vergleich fair bleibt: Es gibt Konstellationen, in denen ein Wechsel kein Gewinn ist und Magento beziehungsweise Adobe Commerce die rationale Entscheidung bleibt.
Wer sehr große, internationale Kataloge mit vielen Stores, Sprachen und Währungen betreibt, nutzt die Reife von Adobe Commerce voll aus. Wer tief in der Adobe Experience Cloud verankert ist (etwa mit Adobe Experience Manager, Analytics oder Target), zahlt für diese Integration mit einem Wechsel einen hohen Preis. Und wer eine funktionierende, gut gewartete Adobe-Commerce-Installation mit etabliertem B2B betreibt, sollte sie nicht aus Prinzip ablösen, sondern nur, wenn ein konkreter Engpass das rechtfertigt.
Auch das Team zählt. Eingespielte Magento-Entwickler oder ein verlässlicher Magento-Dienstleister sind ein Wert, den ein Wechsel zunächst vernichtet und an anderer Stelle neu aufbauen muss. Ein Replatforming ist ein Projekt mit Risiko und Kosten, kein Selbstläufer.
Fazit: Magento vs. Shopware, klar eingeordnet
Für die meisten DACH-Mittelständler auf Magento läuft die Entscheidung auf zwei Ausgangslagen hinaus. Magento Open Source belastet vor allem über Wartungsaufwand und fehlendes natives B2B; hier ist Shopware 6 in der Regel die tragfähigere und besser unterstützte Basis. Adobe Commerce belastet über GMV-abhängige Lizenzkosten und, in der Cloud-Variante, über die US-Datenfrage; hier kann Shopware Kosten und Datenhoheit zugleich verbessern. Umgekehrt bleibt Magento die richtige Wahl für sehr große, global aufgestellte Kataloge und für Shops, die fest in der Adobe-Welt verankert sind.
Eine pauschale Antwort gibt es also nicht; es kommt auf Katalog, B2B-Anforderungen, Datenstrategie und Team an. Wer grundsätzlich zwischen self-hosted und SaaS schwankt, findet im Vergleich Shopware vs. Shopify eine ergänzende Einordnung. Der nüchterne nächste Schritt ist kein Plattformwechsel auf Verdacht, sondern eine Standortbestimmung über aktuelles System, Engpässe, B2B- und Datenanforderungen.
Am Ende steht eine einzige Rechnung, und sie lautet nicht „Shopware ist besser". Sie lautet: Was kostet uns das Bleiben gegenüber dem Wechseln, über drei bis fünf Jahre gerechnet? Wer diese Zahl kennt, entscheidet nicht nach Plattform-Mode, sondern nach seinem Geschäft.