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Adobe Commerce

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Kurz erklärt

Adobe Commerce ist die kommerzielle, lizenzpflichtige Variante der E-Commerce-Plattform Magento. Sie baut auf demselben technischen Kern wie Magento Open Source auf, ergänzt diesen aber um zahlreiche Enterprise-Funktionen, einen offiziellen Hersteller-Support und die Integration in die Adobe Experience Cloud.

Vor der Übernahme durch Adobe hieß diese Variante Magento Commerce beziehungsweise Magento Enterprise Edition. Adobe Commerce richtet sich an mittlere bis große Händler mit komplexen Anforderungen, internationalen Katalogen und dem Bedarf an out-of-the-box verfügbaren B2B- und Marketing-Funktionen.

Was Adobe Commerce von Magento Open Source unterscheidet

Der entscheidende Punkt: Adobe Commerce ist kein eigenständiges Produkt neben Magento, sondern die funktional erweiterte, kommerziell lizenzierte Ausbaustufe derselben Plattform. Wer Magento Open Source kennt, findet in Adobe Commerce dieselbe Grundarchitektur, dasselbe Admin-Backend und dieselbe Extension-Welt vor, plus einen Satz an Funktionen, die in der Open-Source-Variante fehlen.

FunktionMagento Open SourceAdobe Commerce
Lizenzkostenloskommerziell, GMV-abhängig
Natives B2Bnein (nur über Extensions)ja (Firmenkonten, Quoting, geteilte Kataloge)
Page Builderneinja (visueller Content-Editor)
Erweiterte Promotionseingeschränktja (regelbasierte Aktionen, gestaffelte Preise)
KI-Funktionen (Adobe Sensei)neinja (Produktempfehlungen, Live Search)
Hersteller-SupportCommunityoffizieller Adobe-Support, SLA
Cloud-Hosting-Optionnein (self-hosted)Adobe Commerce Cloud verfügbar

Diese Funktionsbreite ist der Grund, warum Adobe Commerce im direkten Vergleich mit anderen Plattformen out-of-the-box mehr Enterprise-Funktionalität mitbringt als viele Wettbewerber in vergleichbaren Preisklassen.

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Natives B2B als Kernargument

Ein zentrales Verkaufsargument von Adobe Commerce ist das ausgereifte native B2B-Modul. Es umfasst Firmenkonten mit mehreren Benutzern und Rollen, geteilte und kundenspezifische Kataloge, eine Angebotsfunktion (Quoting), Bestelllisten (Requisition Lists) sowie mehrstufige Bestell- und Freigabe-Workflows. Damit lassen sich typische B2B-Szenarien wie Einkaufshierarchien, Budgetfreigaben und individuelle Preislisten ohne Drittanbieter-Extensions abbilden. Für Händler mit einem geschäftskritischen B2B-Kanal ist das ein gewichtiger Vorteil gegenüber Magento Open Source, das kein natives B2B besitzt.

Anbindung an die Adobe Experience Cloud

Adobe positioniert Commerce nicht als isolierte Shop-Software, sondern als einen Baustein der Adobe Experience Cloud. Dadurch lässt sich die Plattform tief mit anderen Adobe-Produkten verzahnen, etwa mit Adobe Experience Manager (Content-Management), Adobe Analytics (Web-Analyse), Adobe Target (Personalisierung und Testing) und Adobe Sensei beziehungsweise den KI-Funktionen für Produktempfehlungen und Live Search. Für Unternehmen, die ihre gesamte digitale Experience im Adobe-Ökosystem betreiben, ist diese Integration ein starkes Argument. Sie erzeugt aber zugleich eine Abhängigkeit: Je tiefer ein Shop in der Adobe-Welt verankert ist, desto teurer und aufwendiger wird ein späterer Wechsel auf eine andere Plattform.

Das Preismodell: GMV-abhängige Lizenz

Anders als bei klassischen Lizenzmodellen mit festen Stufen rechnet Adobe Commerce umsatzabhängig. Die Lizenzkosten richten sich nach dem Gross Merchandise Value (GMV), also dem über den Shop abgewickelten Handelsvolumen, teilweise kombiniert mit dem durchschnittlichen Bestellwert (AOV). Adobe veröffentlicht keine offizielle Preisliste. Brancheneinschätzungen nennen Einstiegspreise ab rund 22.000 US-Dollar pro Jahr für die On-Premises-Variante, die mit dem GMV steigen; die Cloud-Variante liegt darüber. Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Lizenz ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Hosting (in der Cloud-Variante durch Adobe), Entwicklung, Extensions und Betrieb bleiben der größere Posten.

On-Premises versus Adobe Commerce Cloud

Adobe Commerce gibt es in zwei Betriebsformen. Bei der On-Premises-Variante (auch "Adobe Commerce on-prem") betreibt der Händler die Software auf selbst gewählter Infrastruktur und behält die Kontrolle über Hosting-Provider und Standort. Bei der Adobe Commerce Cloud liefert Adobe eine gehostete, vorkonfigurierte Cloud-Umgebung samt CI/CD-Pipeline, Fastly-CDN und Monitoring. Der Komfort hat eine Kehrseite: Die Daten liegen in der Infrastruktur eines US-Anbieters, mit Auftragsverarbeitung über Subprozessoren und ohne freie Wahl des Hosting-Standorts. Für Unternehmen unter strengen Datenschutzanforderungen ist das ein realer Prüfpunkt.

Datenschutz und DSGVO-Einordnung

Die DSGVO-Bewertung von Adobe Commerce hängt entscheidend von der Betriebsform ab. On-Premises betrieben, kann der Händler Hosting-Standort und Verarbeitung frei wählen, inklusive deutscher Rechenzentren, und behält die Datenhoheit. Bei der Adobe Commerce Cloud dagegen verarbeitet ein US-Anbieter die Daten, was im regulierten Umfeld oder bei Konzern-Ausschreibungen zusätzliche vertragliche und technische Prüfungen erfordert (Auftragsverarbeitungsvertrag, Transfer-Impact-Assessment, Standardvertragsklauseln). Diese Unterscheidung ist in der Praxis wichtig, weil der pauschal genannte Datenschutz-Nachteil von Adobe Commerce sich fast ausschließlich auf die Cloud-Variante bezieht.

Realbeispiel: Wann sich Adobe Commerce rechnet

Ein international aufgestellter Markenhersteller betreibt zehn Ländershops in mehreren Sprachen und Währungen, mit einem komplexen Katalog von über 100.000 Artikeln und einem ausgeprägten B2B-Geschäft mit Händlerportalen. Er nutzt Adobe Experience Manager für Content und Adobe Analytics für das Reporting. In dieser Konstellation spielt Adobe Commerce seine Stärken aus: natives B2B, Multi-Store aus einer Installation und die tiefe Integration in die bereits vorhandene Adobe-Landschaft. Ein Wechsel auf eine andere Plattform würde nicht nur den Shop, sondern die gesamte Experience-Architektur betreffen, was den Aufwand erheblich erhöht. Hier ist das Bleiben oft die rationale Entscheidung.

Strategische Richtung und Roadmap

Wie für Magento Open Source gilt auch für Adobe Commerce: Ein "Magento 3" als klassischer Monolith-Nachfolger ist nicht geplant. Adobe verlagert die Weiterentwicklung auf cloud-native Dienste wie App Builder (für Erweiterungen außerhalb des Monolithen), Edge Delivery Services (für schnelle, headless-orientierte Storefronts) und die genannten KI-Funktionen. Offizielle Informationen zu Funktionsumfang und Editionen stellt Adobe in seiner Produktdokumentation zu Adobe Commerce bereit. Für Händler bedeutet diese Richtung, dass künftige Investitionen stärker in das Adobe-Ökosystem und dessen Cloud-Dienste fließen, was die Bindung an Adobe weiter vertieft.

Abgrenzung zu Shopware

Im DACH-Mittelstand wird Adobe Commerce häufig mit Shopware 6 verglichen. Adobe Commerce bringt im kommerziellen Paket out-of-the-box mehr Enterprise-Funktionen mit, ist aber durch das GMV-Preismodell und die Adobe-Bindung teurer und strategisch geschlossener. Shopware punktet mit einem moderneren Symfony-basierten, API-first-Stack, planbaren Lizenzkosten, der Möglichkeit deutschen Hostings und im DACH-Raum gut verfügbarem Entwickler-Know-how. Die Entscheidung zwischen beiden ist daher selten eine reine Funktionsfrage, sondern eine Abwägung aus Kosten, Datenhoheit, vorhandener IT-Landschaft und strategischer Ausrichtung.

Migration und Hosting-Aufwand

Auch bei Adobe Commerce ist der Betrieb anspruchsvoll. In der On-Premises-Variante trägt der Händler die volle Verantwortung für Server, Skalierung, Caching, Sicherheit und Patch-Management, vergleichbar mit Magento Open Source, nur mit zusätzlichem Hersteller-Support. In der Cloud-Variante übernimmt Adobe einen Teil dieser Aufgaben, gibt im Gegenzug aber Konfigurations- und Standortfreiheit ab. Wer von Adobe Commerce auf eine andere Plattform wechseln will, muss bedenken, dass natives B2B, Page-Builder-Inhalte und Adobe-Integrationen auf dem Zielsystem neu aufgebaut werden müssen. Ein solcher Wechsel ist deshalb kein reines Datenmigrationsprojekt, sondern ein vollwertiges Replatforming mit Konzept-, Frontend- und Schnittstellenarbeit.

Adobe Sensei und KI-Funktionen

Ein weiterer Baustein, der Adobe Commerce von der Open-Source-Variante abhebt, sind die KI-gestützten Funktionen unter dem Dach von Adobe Sensei. Dazu gehören Product Recommendations, die auf Basis des Nutzerverhaltens passende Artikel vorschlagen, sowie Live Search, eine schnelle, KI-gestützte Such- und Filterlösung. Diese Funktionen sind in Adobe Commerce enthalten und lassen sich ohne Drittanbieter-Erweiterungen nutzen. Für Händler mit großen Katalogen, bei denen Such- und Empfehlungsqualität direkt auf die Conversion einzahlen, können sie einen messbaren Mehrwert liefern und sind ein Argument, das in der reinen Lizenzkostenbetrachtung leicht übersehen wird.

Editionen und Lizenzstufen im Überblick

Innerhalb von Adobe Commerce gibt es unterschiedliche Ausbaustufen, die sich vor allem in der Betriebsform und im Leistungsumfang des Supports unterscheiden. Die folgende Liste fasst die gängige Einordnung zusammen:

  • Adobe Commerce (On-Premises): kommerzielle Lizenz, selbst gehostet, voller Funktionsumfang inklusive nativem B2B, Hosting-Verantwortung beim Händler.
  • Adobe Commerce on Cloud Infrastructure: derselbe Funktionsumfang, von Adobe gehostet, mit CI/CD-Pipeline, CDN und Monitoring, dafür ohne freie Standortwahl.
  • Magento Open Source: kostenlose Basis ohne die genannten Enterprise-Funktionen, zur Abgrenzung in der Tabelle oben aufgeführt.

Welche Stufe passt, hängt von Umsatz, B2B-Anforderungen, Datenstrategie und vorhandenem Betriebs-Know-how ab. Eine belastbare Entscheidung setzt eine ehrliche Gesamtkostenrechnung über mehrere Jahre voraus, nicht nur den Blick auf den Lizenzpreis.

Vendor Lock-in als strategischer Faktor

Ein Aspekt, der bei der Bewertung von Adobe Commerce besonderes Gewicht hat, ist die Bindung an den Anbieter, der sogenannte Vendor Lock-in. Je mehr ein Unternehmen die Adobe-Welt nutzt, also Commerce in Kombination mit Experience Manager, Analytics und Target, desto enger sind die Prozesse, Datenmodelle und Teamkompetenzen mit Adobe verzahnt. Das hat Vorteile in der Integration, erhöht aber die Wechselkosten erheblich. Wer später aus strategischen oder Kostengründen umsteigen will, löst nicht nur einen Shop ab, sondern muss ein ganzes Ökosystem ersetzen. Diese Abhängigkeit sollte in der langfristigen Plattformstrategie bewusst eingeplant werden, gerade weil das GMV-abhängige Preismodell die laufenden Kosten mit wachsendem Umsatz steigen lässt. Für Entscheider im Mittelstand bedeutet das: Der Funktionsvorsprung von Adobe Commerce ist real, hat aber einen strategischen Preis, der über die reine Lizenzgebühr hinausgeht und in jeder seriösen Total-Cost-of-Ownership-Betrachtung mitgerechnet werden sollte.

Häufige Fragen zu Adobe Commerce

Ist Adobe Commerce dasselbe wie Magento?
Adobe Commerce ist die kommerzielle Variante von Magento. Sie teilt sich den technischen Kern mit Magento Open Source, ergänzt ihn aber um Enterprise-Funktionen, offiziellen Support und die Adobe-Experience-Cloud-Integration.

Was kostet Adobe Commerce?
Adobe veröffentlicht keine offizielle Preisliste. Die Lizenz ist GMV-abhängig; Brancheneinschätzungen nennen Einstiegspreise ab rund 22.000 US-Dollar pro Jahr (On-Premises), die mit dem Handelsvolumen steigen. Die Cloud-Variante liegt darüber.

Was ist der Unterschied zwischen Adobe Commerce On-Premises und der Cloud?
On-Premises betreibt der Händler die Software auf selbst gewählter Infrastruktur mit voller Standortwahl. Die Adobe Commerce Cloud ist eine von Adobe gehostete Umgebung; die Daten liegen dann bei einem US-Anbieter ohne freie Standortwahl.

Bringt Adobe Commerce natives B2B mit?
Ja. Adobe Commerce enthält ein ausgereiftes natives B2B-Modul mit Firmenkonten, Quoting, geteilten Katalogen und Freigabe-Workflows. Magento Open Source hat das nicht.

Lohnt sich ein Wechsel weg von Adobe Commerce?
Das hängt vom Einzelfall ab. Bei sehr großen, global aufgestellten Katalogen und tiefer Adobe-Integration bleibt Adobe Commerce oft die rationale Wahl. Bei reiner Kosten- oder Datenhoheitsmotivation kann eine Alternative wie Shopware sinnvoller sein.

Nächster Schritt

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