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PunchOut (OCI-Schnittstelle)

PunchOut bezeichnet im B2B-E-Commerce ein Verfahren, bei dem das interne Beschaffungssystem (E-Procurement-System) eines Geschäftskunden direkt mit dem Online-Shop eines Lieferanten verbunden wird. Der Einkäufer startet in seinem eigenen Beschaffungssystem, „specht“ per Klick in den Webshop des Lieferanten durch (daher „PunchOut“, also „durchstanzen“), wählt dort im gewohnten Shop-Frontend seine Produkte aus – und statt dort zu bestellen, wird der gefüllte Warenkorb zurück in das eigene Beschaffungssystem übergeben. Dort durchläuft die Bestellung dann die internen Genehmigungs- und Budgetprozesse, bevor sie als formelle Bestellung an den Lieferanten zurückgeht. Im deutschsprachigen Raum ist die verbreitetste technische Umsetzung von PunchOut die OCI-Schnittstelle.

Was ist OCI?

OCI steht für Open Catalog Interface, eine von SAP definierte, offene Schnittstellenspezifikation. OCI regelt, wie ein Beschaffungssystem und ein Lieferanten-Shop Daten austauschen: Wie der Einkäufer aus dem Beschaffungssystem in den Shop gelangt (inklusive Anmeldung/Authentifizierung), und in welchem Format der fertige Warenkorb zurückübergeben wird. Weil SAP-Systeme (insbesondere SAP SRM und später SAP Ariba) im B2B-Einkauf weit verbreitet sind, hat sich OCI im DACH-Raum als De-facto-Standard für PunchOut etabliert. International ist daneben cXML PunchOut (von Ariba geprägt) verbreitet – beide lösen dasselbe Problem, nur mit unterschiedlichen Protokollen.

Wie ein PunchOut-Ablauf konkret funktioniert

Der typische OCI-PunchOut-Prozess läuft in mehreren Schritten ab:

  • 1. Hook-URL-Aufruf: Der Einkäufer klickt im Beschaffungssystem auf den hinterlegten Lieferanten. Das System ruft eine vereinbarte URL des Shops auf und übergibt dabei Anmeldedaten und eine Rücksprung-Adresse (die „HOOK_URL“).
  • 2. Login und Katalog: Der Shop erkennt den Kunden, meldet ihn automatisch an und zeigt seinen – oft kundenindividuellen – Katalog mit ausgehandelten Preisen.
  • 3. Auswahl im Shop: Der Einkäufer stöbert und legt Artikel in den Warenkorb – im vertrauten, vollwertigen Shop-Frontend des Lieferanten.
  • 4. Rückübergabe: Statt „Bestellen“ klickt er „Warenkorb übernehmen“. Der Shop übergibt die Positionen (Artikelnummer, Bezeichnung, Menge, Preis, Einheit) im OCI-Format an die HOOK_URL zurück ins Beschaffungssystem.
  • 5. Genehmigung und Bestellung: Im Beschaffungssystem durchläuft der Korb die internen Freigaben. Erst danach wird eine formelle Bestellung (meist per EDI oder als elektronische Bestellung) an den Lieferanten ausgelöst.

Entscheidend ist: Im PunchOut wird im Shop nicht bestellt. Der Shop liefert nur die Produktauswahl; die eigentliche Bestellung entsteht im System des Kunden. Das ist der Kern des Modells.

Warum B2B-Kunden PunchOut verlangen

Für größere Unternehmen ist die Beschaffung ein streng geregelter Prozess: Budgets, Kostenstellen, Genehmigungsstufen und Compliance-Vorgaben müssen eingehalten werden. Ein Mitarbeiter darf nicht einfach im Webshop eines Lieferanten auf eigene Faust bestellen. PunchOut löst den Zielkonflikt elegant: Der Einkäufer nutzt den komfortablen, aktuellen Shop des Lieferanten mit Bildern, Filtern und Echtzeit-Verfügbarkeit – aber die Kontrolle, Genehmigung und Verbuchung bleiben im zentralen Beschaffungssystem. Für den Lieferanten wiederum ist PunchOut oft die Voraussetzung, um überhaupt als gelisteter Lieferant großer Konzerne in Frage zu kommen.

Für Shopware-Händler im B2B-Segment ist PunchOut deshalb ein häufiges Anforderungsthema. Die Shopware-B2B-Funktionen beziehungsweise spezialisierte Erweiterungen stellen OCI-Endpunkte bereit, über die sich der Shop an SAP-, Onventis-, JAGGAER- oder andere Beschaffungssysteme anbinden lässt.

PunchOut versus klassischer Katalog (CIF)

KriteriumStatischer Katalog (z. B. CIF/Excel)PunchOut (OCI/cXML)
DatenaktualitätStichtag des Imports – schnell veraltetEchtzeit aus dem Shop
Preise/VerfügbarkeitStatisch hinterlegtLive, oft kundenindividuell
Pflegeaufwand beim KundenHoch (regelmäßige Importe)Niedrig (Shop pflegt der Lieferant)
ProdukterlebnisReduziertVoller Shop mit Bildern/Filtern
EignungKleine, stabile SortimenteGroße, dynamische Sortimente

Ein konkretes Beispiel

Ein Industrieunternehmen nutzt SAP Ariba als Beschaffungssystem. Ein Werkstattmitarbeiter braucht Verbrauchsmaterial von einem C-Teile-Händler, dessen Shopware-Shop per OCI angebunden ist. Der Mitarbeiter klickt in Ariba auf den Händler, landet automatisch eingeloggt im Shop mit den für sein Unternehmen ausgehandelten Konditionen, legt drei Artikel in den Korb und klickt „Übernehmen“. Der Korb erscheint sofort in Ariba, wird vom Vorgesetzten freigegeben und löst die Bestellung aus. Der Händler muss keinen separaten Katalog pflegen – sein Shop ist der Katalog.

Häufige Missverständnisse

Erstens werden OCI und EDI oft verwechselt. OCI/PunchOut regelt die Produktauswahl (das Befüllen des Warenkorbs); die eigentliche Bestellübertragung läuft danach typischerweise über EDI oder ein anderes Bestellprotokoll. Beide ergänzen sich. Zweitens ist PunchOut keine Komplettlösung für „B2B-Shop“ – es ist eine Integrationsschnittstelle für Kunden, die ein Beschaffungssystem betreiben; kleinere B2B-Kunden bestellen weiterhin direkt im Shop. Drittens: OCI ist nicht eine einzige feste Version, sondern existiert in mehreren Ausprägungen (OCI 4.0, 5.0); bei der Anbindung muss die vom Kundensystem unterstützte Version abgestimmt werden.

Ausblick

Mit der Ablösung klassischer SAP-SRM-Landschaften durch cloudbasierte Beschaffungsplattformen (SAP Ariba, Coupa, Onventis) bleibt PunchOut zentral, verschiebt sich aber stärker zu cXML und API-getriebenen Integrationen. Parallel gewinnen offene Standards und reine API-Anbindungen an Bedeutung, gerade im Zuge von Composable Commerce. Für Lieferanten bleibt die Fähigkeit, sauber per OCI und cXML anzubinden, ein harter Wettbewerbsfaktor im großvolumigen B2B-Geschäft. Eine technische Einordnung des Standards bietet der Wikipedia-Artikel zum Open Catalog Interface.

FAQ

Was bedeutet PunchOut einfach erklärt?
Der Einkäufer wählt Produkte im Online-Shop des Lieferanten aus, der gefüllte Warenkorb wird aber zur Genehmigung und Bestellung in das eigene Beschaffungssystem zurückübergeben – nicht im Shop bestellt.

Was ist die OCI-Schnittstelle?
OCI (Open Catalog Interface) ist der von SAP definierte Standard, über den Beschaffungssystem und Shop bei einem PunchOut Daten austauschen. Im DACH-Raum ist OCI die verbreitetste PunchOut-Variante.

Worin unterscheiden sich OCI und cXML?
Beide ermöglichen PunchOut. OCI stammt von SAP und ist im DACH-Raum dominant; cXML stammt von Ariba und ist international verbreiteter. Sie nutzen unterschiedliche Protokolle.

Brauche ich PunchOut für meinen B2B-Shop?
Nur, wenn Sie Geschäftskunden bedienen, die ein E-Procurement-System einsetzen und die Anbindung verlangen – bei großen Konzernen ist das oft Voraussetzung für die Lieferantenlistung.

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